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Tierische Nebenerzeugnisse


Was sind Tierische Nebenerzeugnisse?
 
Wenn Ihr Hundefutter so deklariert wurde, dann können Sie bzw. kann Ihr Hund Glück haben - und Ihr Liebling erhält wertvolle Nebenerzeugnisse, wie Leber, Nieren, Pansen, Lunge, Sehnen und Blut. Qualität eben.

Doch was wird, wenn Ihr Futterhersteller lieber Geld verdienen als Hunde qualitätsvoll ernähren möchte? Ihr Hund kann ziemlich viel Pech haben, wenn er Schlachtabfälle wie Federn, Hufe, Wolle, Pelztierkadaver, Därme, Urin, Hirn oder Rückenmark erhält. Lecker, oder?

Leider kann man diese Aufteilung nicht anhand des Preises oder der "Premium"-Aufschrift des Futters fest machen.

Diese zu Recht sehr umstrittenen Fleisch-Nebenerzeugnisse sind meist Schlachtabfälle der sogenannten Kategorie 3 (siehe Rubrik "Hundefutter - Überblick, Expertenmeinung" sowie nachfolgend: "Wikipedia-Artikel"):


Auszug aus dem Wikipedia-Artikel über Tierkörperverwertung

Ausgangsmaterial sind die Tierkörper verendeter, toter oder totgeborener Groß- oder Haustiere - oder Teile davon – sowie Schlachtabfälle, verdorbene Lebensmittel tierischer Herkunft, und Tiernebenprodukte wie Milch, Eier, Konfiskate aber auch Darminhalt und Gülle. Das Material wird in der EU-Verordnung (EG) Nr. 1069/2009 (Verordnung über tierische Nebenprodukte) anhand der davon ausgehenden Gefahr in drei Kategorien eingeteilt.

Kategorie 1

Die Kategorie 1 enthält Fleisch und tierische Nebenprodukte mit dem höchsten Risiko, also Haustiere, Wildtiere oder Nutztiere, die aus Krankheitsgründen getötet wurden oder verendeten, insbesondere TSE verseuchte Tierleichen sowie mit Chemikalien oder verbotenen Stoffen kontaminierte Tiere und Versuchstiere.

Material der Kategorie 1 muss vollständig als Abfall entsorgt werden. Das Material ist ab 1. Juli 2008 im innereuropäischem Handel mit Glycerintriheptanoat (GTH) zu kennzeichnen und in schwarzen Behältnissen zu transportieren.

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Kategorie 2

Diese Kategorie enthält Fleisch und Nebenprodukte mit dem Risiko anderer, nicht übertragbarer Krankheiten. Sie umfasst getötete, also nicht geschlachtete Tiere, tierische Nebenprodukte (beispielsweise Milch), importiertes und nicht ausreichend kontrolliertes Material, Tierprodukte mit Rückständen von Medikamenten.

Auch dieses Material muss in einem dafür zugelassenen Betrieb beseitigt werden, doch kann das Fleischmehl als sogenannter NP-Dünger eingesetzt werden (N=Stickstoff, P=Phosphor).


Kategorie 3 - für Hundefutter geeignet

Sogenanntes K3-Material bezeichnet vor allem Abfälle und Nebenprodukte aus Schlachtbetrieben, Küchen- und Speiseabfälle, für den menschlichen Verzehr nicht mehr geeignete Lebensmittel tierischen Ursprungs, Rohmilch, frischer Fisch oder frische Fischnebenprodukte.

Daneben finden sich hier auch Tierteile, die zwar zum menschlichen Verzehr geeignet sind, für die es jedoch im betreffenden Land wenig Nachfrage gibt, beispielsweise Kutteln, Zunge und weitere Innereien. Es darf ausschließlich zu Tierfutter weiter verarbeitet werden.

In Deutschland ist darüber hinaus die Verfütterung von Fetten aus Geweben warmblütiger Landtiere und von Fischen an Wiederkäuer verboten. Fette aus Geweben warmblütiger Landtiere dürfen in Deutschland auch nicht an andere zur Lebensmittelgewinnung dienende Tiere und Pferde verfüttert werden. K3-Material ist wiederholt Ausgangspunkt für die Lebensmittelskandale rund um das sogenannte Ekelfleisch.

Zum K3-Material gehören

  • Küchen- und Speiseabfälle, soweit nicht aus grenzüberschreitendem Verkehr
  • Fische oder andere Meerestiere sowie Fischabfälle (ausgenommen Meeressäugetiere)
  • Ehemalige tierische Lebensmittel, die aus anderen, nicht gesundheitsschädlichen Folgen, z.B. Verpackungsmängeln, für den menschlichen Verzehr nicht mehr bestimmt sind
  • Schlachtkörperteile, die genussuntauglich sind, die jedoch keine Anzeichen einer übertragbaren Krankheit zeigen und die von Tieren stammen, die genusstauglich sind
  • Rohmilch
  • Schalen, Brütereinebenprodukte und Knickeiernebenprodukte von klinisch unauffälligen Tieren
  • Haare, Pelze, Hörner usw. von klinisch unauffälligen Tieren
  • Tierische Abfälle aus der Lebensmittelindustrie
  • Häute, Hufe und Hörner, Schweineborsten und Federn von Tieren, die nach einer Schlachttieruntersuchung in einem Schlachthof geschlachtet wurden
  • überlagertes Fleisch
  • minderwertiges Fleisch
  • Fleisch von Tieren unter erheblicher Stressbelastung
  • Blut von Tieren (nicht von Wiederkäuern), die nach einer Untersuchung in einem Schlachthof geschlachtet wurden
  • Tierische Schlachtkörperteile und Nebenprodukte, die bei der Herstellung von für den menschlichen Verzehr bestimmten Erzeugnissen angefallen sind, und entfettete Knochen und Grieben

Dieses unverzüglich durch Beschriftung zu kennzeichnende Fleisch darf nur zur Herstellung von Tiernahrung in einem zugelassenen Heimtierfutterbetrieb oder zu nicht mehr essbaren Produkten verarbeitet, z. B. zu Schmierfetten verwendet werden. Es darf auch zur Kompostierung oder Biogasherstellung verwendet werden. Dennoch wird Fleisch der sogenannten Handelskategorie 3 gelegentlich widerrechtlich zum menschlichen Gebrauch verwendet. Das Material ist ab 1. Juli 2008 im innereuropäischem Handel in grünen Behältnissen zu transportieren und kann im nationalen Handel gefärbt werden.


Was ist Fleischmehl?

Fleischmehl wird aus frischem Fleisch hergestellt - gemahlen - und soll in Lebensmittelqualität sein. Es wird aus frisch geschlachteten und als gesund erachteten Tieren, die auch für den Verzehr durch Menschen freigegeben wurden, gewonnen.

Tiermehl
Das aus Kadavern der unterschiedlichsten Tiere gewonnene Tiermehl wird seit Jahrzehnten als preiswerter Eiweißlieferant dem Futter von Nutztieren zugesetzt. Hergestellt wird Tiermehl vor allem aus Schlachthaus-Abfällen, toten Nutztieren vom Rind über das Schwein bis zum Huhn sowie verendeten Haus- und Wildtieren.

Tiermehl ist somit ein Produkt aus den Tierkörper-Beseitigungsanlagen und sollte eigentlich niemals als Tierfutter verwendet werden.

Hoffentlich gibt es bald genügend verantwortungsvolle Futtermittel-Hersteller - doch leider lockt häufig noch immer das leicht verdiente Geld ...

Wie entsteht Tiermehl?

Dazu möchte ich Ihnen einen Ausschnitt eines Artikels des Spiegels vorlegen (Autor: Norbert F. Pötzl, Stellv. Ressortleiter Sonderthemen, Spiegel):

Schon die übliche Prozedur, Tiermehl zu produzieren, ist geeignet, den Genuss von Steaks und Schinken zu vergällen. Es knackt und kracht in der Knochenmühle, wenn ein ausgedienter Zuchtstier durch das Mahlwerk gedreht wird. Mit einem gewaltigen Blubb platzen die gegorenen Gedärme einer Kuh. Die aufgedunsenen Leiber von Ziegen und Schafen werden in dem Riesentrichter zerschreddert.

Die "Karkassen" und die "Konfiskate", wie Schlachtabfälle im Fachjargon heißen, werden bei einem Druck von 3 bar auf 133 Grad erhitzt und mindestens 20 Minuten lang im Sterilisator verkocht. Anschließend wird der braune Brei in einem Vakuumtrockner bei über 100 Grad vier Stunden lang gedörrt, die Trockenschmelzmasse schließlich durch eine Schneckenpresse gedreht und zu Futterpellets gepresst.

Wer von Ihnen noch mehr (beunruhigende) Informationen darüber lesen will, dem empfehle ich die pdf-Broschüre von foodwatch "Die Tiermehl-Schmuggler"